Dienstag, 16. November 2004

Besser hamstern!

Es muss nicht immer Hamster sein. Andere Nagetiere kömmen mit dem Anlegen zeitgemäßer Vorräte besser klar.

Montag, 15. November 2004

Erkenntnis

Wenn man anfängt, anstatt sich Meinungen darüber zu machen, ob es sich mit irgendetwas so oder so verhält, den Zwang zur Entscheidung zwischen so und so als Eselsbrücke zu betrachten, über die uns unsere bescheidenen Wahrnehmungsmöglichkeiten auf den vermeintlich sicheren Grund der Eindeutigkeit treiben, wird es ziemlich uninteressant, Dinge in So-oder-so-sei-Systeme einzuordnen. Als Stilfrage allenfalls betreibt man es noch weiter.

Freitag, 12. November 2004

Sicherheit durch Gurkenserver

Warten auf Seitenaufbau ist man ja nicht mehr gewöhnt, seit man DSL hat. Nur bei der Bank dauerts. Das nimmt man in Kauf, weil man glaubt, dass es eben dauert, bis all die tollen Verschlüsselungs- und Sicherheitsgimmicks am Start sind. Das ist vermutlich kompletter Quatsch und Ottos Office of Homeland Security bereits bestens über mein Dispo-Desaster im Bilde.

Funny Money

Affinität zum Geld steckt, scheints, in den Genen oder mindestens im Unterbewussten. Selbst in den insgesamt geldfernen (Off-)(Kunst-)Kreisen hier (Old Mr. Flick, he don't come shopping round here, tralalalala) fahren die besser, die aus mittelständischem Unternehmerhaus stammen, als die (häufiger vorkommenden) Lehrer- und Pastorenkinder. Die kriegen unabhängig von Begabung, sozialer Kompetenz und Hartnäckigkeit einfach ihre Förderanträge nicht durch, keine Engagements auf der nächstfetteren Stufe, keinen Gesprächstermin VOR dem Festival etc. Künstlerkinder können's natürlich auch, aus anderen Gründen.

Donnerstag, 11. November 2004

Pussy-Synchronizität

En route nach Steglitz in der U9, was laut bvg.de schneller geht als mit Tram und S-Bahn, zum theaterwissenschaftlichen Institut der Freien Universität, junge Menschen korrumpieren. Ein kleiner Mann setzt sich neben uns. Mitte Ende 60, Blouson leuchtend violett mit gelben Applikationen, Schiebermütze. In seiner Apothekenzeitschrift hat er annotierte Zeitungsausschnitte gesammelt, dazwischen ein quadratischer weißer Zettel, dem Format nach ein Blatt von einem dieser wuchtigen Zettelblocks. Am Ende der ersten Zeile entziffere ich in krakeliger Alte-Leute-Schrift in blauem Kugelschreiber "... wie soll ich es nennen". Davor und danach scheinen nur Bezeichnungen für das weibliche Geschlecht zu stehen, pussie (klein aber mit ie), Spalte, Höhle, Busch ....

Er bemerkt mein Mitlesen und verbirgt den Zettel zwischen den anderen, holt ihn aber gleich wieder vor. Entweder er spielt mit mir oder er kann sich den Genuss der Lektüre einfach nicht versagen. Eigene Dichtung, das Geschenk einer späten Liebe?

Besonders gut: Ich sprach gerade mit meinem Nachbarn zur Linken über Tim Etchells' Strategien der Textgenese mit Forced Entertainment, die ca. genau so funktionieren. Gefundener Text, Listen, Obszönitäten.

15 Jahre 2 Tage später

Von der Wohnung in Kreuzberg, in der Nähe des Landwehrkanals, war die Mauer ca. 2 km entfernt. Ich mochte die engen Gassen, in die sich einige Straßen verwandelt hatten, weil in der Mitte die Mauer stand. So gemütlich kam mir das preußisch-aufmarschplanmäßige Berlin sonst nicht vor.

In der Wohnung gab es einen Farbfernseher. Nussbaumgehäuse, das grünstichige Bild mit rund geschrumpelten Kanten saß fast mittig auf dem großen Bildschirm. Jeder sprechende Kopf war ein langgezogen-grünliches Ei. Die Riesenkiste stand auf einem radlosen Einkaufwagen neben meinem Bett. Das gefiel mir.

Am 9. November 1989 sah ich Ausschnitte aus der Schabowski-Pressekonferenz und dachte: Was denn jetzt wieder? Ausreisen? Was denn noch alles? Meine Sympathie für die "Wir sind das Volk"-Demos war bei "Wir sind ein Volk" abgeflaut und bei "Deutschland einig Vaterland" weg. Das klang wie "Ein Volk ein Reich ein Führer".

Am 9. November 1989 ging ich früh schlafen. Um 3 Uhr früh rief meine Tante aus New York an und fragte, ob in Berlin Revolution sei. Auf CNN seien aufgeregte Menschen mit Deutschlandfahnen zu sehen. Ich horchte und meldete nach New York, dass Ecke Böckh und Grimm alles ruhig sei. Dann schlief ich weiter. Da schütteten am Grenzübergang Bornholmer Straße schon Westberliner Sekt auf Trabis.

Von da an war jeden Abend die dämliche Fresse von Ulli Zelle auf SFB III live dabei, wenn Ossis mit Geld und Bananen versorgt wurden. Im Radio erklärte ein Kreuberger Gemüsehändler, dass jetzt alle Ausänder abzureisen hätten, weil Platz, Gemüse, Arbeitsplätze für die Deutschen benötigt würden. Rührende Szenen. Erst im Frühjahr 1990 ging ich eines Nachmittags rüber und trank im Nikolaiviertel sechs Bier für Stück ca. 35 Pfennig West.

Dienstag, 9. November 2004

Scheiss

Dreckswetter
und Schnupfen.

Der gestrige Abend war der Gesundheit nicht zuträglich. Aber dem Frohsinn.

Hamsterstammtisch, mit einer eindrucksvollen Demonstration der Geburt des Rock 'n' Roll. Die war nämlich vor ca. genau 50 Jahren, als Elvis sang, dass es schon in Ordnung ist mit dem Mädchen, dass ich sehe, Mutti. Das wisst ihr ja selber. Aber ihr habt es gestern abend nicht live in der Kathedrale gesehen, vom Tod des King rückwärts.

Danach bis ca. 3 im Wohnzimmer am Helmhotzplatz über div. Fragen gefachsimpelt, die den Hamster interessieren, Kaffee saufend und am Netzwerk der Spackos flechtend.

Ihr seid nicht die einzigen. Aber auch sehr nett.
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